Meisterhafte Bilder und Töne

Geprüfter Meister/Geprüfte Meisterin Medienproduktion Bild und Ton

Neue Aufstiegsfortbildung für die AV-Medienwirtschaft

(Auszug aus der Broschüre des Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF)

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Inhalt


I.  Der Medienmarkt in der Online-Welt

Eine heterogene Branche differenziert sich weiter aus 


II. Gefragt ist, wer Betrieb, Projekte und Technik managen kann

Qualifikationsanforderungen an mittlere Führungskräfte und selbstständige Chefs


III. Karrierepfad

Das Profil: Geprüfte/r Meister/in Medienproduktion Bild und Ton


IV. Nutzen für Weiterbildungswillige und Unternehmen

Ob angestellt oder selbstständig: Neue Aufgaben kompetent meistern


V. Aufwand, Kosten und Lernwege

Zeit und Geld investieren

I.  Der Medienmarkt in der Online-Welt

Eine heterogene Branche differenziert sich weiter aus


Jedes Jahr trifft sich bei den „Medientagen München“ die Branche in ihrer Vielgestaltigkeit: Zeitungsmacher und Spieleproduzenten, Werbespezialisten und Radioleute, die politischen Strippenzieher, die geschäftlichen Trendsetter, die Gerätehersteller und die Kreativen. Wer wissen will, wohin in einer bestimmten Mediensparte die Reise geht, kann sich schon grob an den Titeln der angebotenen Referate orientieren.


In der Sparte „TV, Film, Video“ kam 2012 keiner der Vortragenden am Thema Online vorbei: „TV meets Digital Natives – Chance oder Risiko?“ hieß es auf gut Neudeutsch. „Web-TV und Internetportale – Wird klassisches Fernsehen obsolet?“ Oder: „Social TV Apps – Warum die neuen Advertising Models so profitabel sind“.


Das ist das Umfeld, in dem sich inzwischen öffentlich-rechtliche und private Rundfunk- und Fernsehanbieter sowie ihre AV-Dienstleister bewegen. Das Internet ist einerseits ein weiterer Verbreitungskanal medialer Inhalte, andererseits aber selbst ein neues Medium, das seine eigene Sprache, seine eigenen Formen sucht. Ton-, Film- und Videoproduzenten, Anbieter von Medientechnik und technischen Diensten, Internet- und Onlinespezialisten erleben, dass zudem ihre Geschäftsfelder und Gewerke immer stärker zusammen wachsen. Dennoch muss jeder ein eigenes, scharf abgegrenztes Profil als Profi entwickeln. Denn Alles-ein-bisschen-Könner setzen sich auf längere Frist nicht durch.


Sprach man früher von „trimedialer Produktion“, war gemeint, dass ein und derselbe mediale Inhalt in Text-, Audio- und Videoform gebracht und für die Veröffentlichungswege Zeitung, Radio und Fernsehen aufbereitet wurde. Nun versteht man darunter, aus einer Hand Hörfunk, Fernsehen und Online-Plattformen zu bedienen. Und die Entwicklung geht rasant weiter. Nur ein Beispiel: TV-Anbieter testen beispielsweise bereits neue Bewegtbildangebote im Internet und für mobile Endgeräte. Eine offene Entwicklung mit weitreichenden technischen, arbeitsorganisatorischen und betriebswirtschaftlichen Folgen.


Die Suchbewegungen und Neuerungen in der Branche haben viel mit der „Kundschaft“ zu tun, die erreicht werden soll. Das Publikum wendet sich zunehmend neuen Verbreitungskanälen und Medienangeboten zu. Immer öfter werden die traditionellen Nutzer/innen selbst zu Gestaltenden. Die netzaffine junge Generation denkt bei Bild- und Tonproduktionen an Filme, die im Internet jederzeit abrufbar sind oder bestenfalls ans Kino, kaum jedoch ans Fernsehprogramm mit seinen starren Sendezeiten. Wer sie gewinnen will, muss auf ein stark verändertes Konsumverhalten eingehen, muss beispielsweise auch Möglichkeiten bieten, wie die „User“ selbst Inhalte und Wünsche an die Anbieter zurückspielen können, muss Schnittstellen zwischen den traditionellen AV-Medien und sozialen Netzwerken vorsehen.


Die globale Wettbewerbssituation verändert sich: Vor knapp drei Jahrzehnten begann die Konkurrenz zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten. Im Moment rangeln die Rundfunkhäuser mit den Verlagen um die Vormachtstellung im Internet. Tatsächlich aber sei es höchste Zeit, sagen Branchenkenner, dass sich die traditionellen Text-, Ton- und Bildanbieter zusammen tun, um gemeinsam der stetig zunehmenden Marktmacht von Google, Youtube, Amazon, etc. entgegen zu treten.


Damit nicht genug der Herausforderungen: Die AV-Branche muss die Jüngeren auch als Mitarbeiter/innen gewinnen. Und zugleich fähig sein, mit dem Pfund an Erfahrungen, das die „Alten“ mitbringen, zu wuchern. Viel ist in diesem Zusammenhang vom Personalmanagement angesichts des demografischen Wandels die Rede, von altersintegrativen Prozessen und Strategien, von der Vermeidung des häufig prognostizierten Fachkräftemangels.


Die Heterogenität der Branche kommt schließlich auch in Größe und Struktur der Unternehmen zum Ausdruck: Audiovisuelle Dienstleister sind oft Kleinstbetriebe mit höchstens zehn Beschäftigten. Am anderen Ende des Spektrums stehen die großen öffentlich-

rechtlichen bzw. privaten Sendeanstalten, die Tausende von Mitarbeiter/innen beschäftigen, viele davon als „Freie“.

II. Gefragt ist, wer Betrieb, Projekte und Technik managen kann

Qualifikationsanforderungen an mittlere Führungskräfte und selbstständige Chefs


Wer im skizzierten Wirtschaftssegment eine eigene kleine Firma hat oder bei einem größeren AV-Unternehmen Projekte eigenständig leitet, muss nicht nur in mindestens einem einschlägigen Fach kompetent sein - im Licht setzen oder in der Kameraführung, in der Bildmischung oder der Tontechnik. Vielmehr sind Führungsqualitäten sowohl im Produktions- als auch im Personalbereich erforderlich. Und das Wissen, wie man Qualitätssicherung betreibt, gehört selbstverständlich dazu. Aber selbst das ist nur die Grundlage.


Meister/innen Medienproduktion Bild und Ton müssen als mittlere Führungskräfte darüber hinaus technische Konzepte entwickeln, Projekte kalkulieren und planen können. Ihre Aufgabe ist es, Arbeitsprozesse zu organisieren und sowohl die gestalterischen Erfordernisse als auch die betriebswirtschaftlichen Eckdaten nicht aus dem Auge zu verlieren.


Projekt- und Arbeitsteams zu leiten, gehört ebenfalls zu den Kernaufgaben. Die Meister/innen können die Mitarbeiter/innen technisch oder gestalterisch anleiten und übernehmen Ausbildungsverantwortung. Bei all dem benötigen sie ausgeprägte kommunikative und soziale Kompetenzen, spielen sie doch eine wichtige Mittlerrolle zwischen Hierarchieebenen, zwischen externen und internen Anbietern, zwischen verschiedenen Gewerken und Fachrichtungen. Zu den Anforderungen an die mittleren Führungskräfte (oder an selbstständige Chefs) gehört es auch, Beschäftigte zu motivieren, die Kooperation untereinander zu fördern und bei Konflikten nach Lösungen zu suchen.


Dass die genannten Kompetenzen je nach Projekt und Einsatzfeld in der Praxis oft in sehr unterschiedlicher Intensität abgefragt werden, versteht sich von selbst. Wer keine Budgetverantwortung übertragen bekommt, kann so manche betriebswirtschaftliche Abwägung auch gut den Zuständigen überlassen. Wer ausgefuchster Technik-Profi ist, wird sich bei gestalterischen Fragen gern auf den Sachverstand der Kolleg/innen verlassen. Wer die eigene kleine AV-Dienstleistungsfirma erfolgreich am Markt halten will, wird Branchenentwicklungen mit größerem Nachdruck verfolgen müssen als etwa eine in die Senderhierarchie eingebundene mittlere Führungskraft.

III. Karrierepfad

Das Profil: Geprüfte/r Meister/in Medienproduktion Bild und Ton


Seit 1. August 2012 gilt die Verordnung für diesen anerkannten Fortbildungsabschluss. Wie bei allen Aufstiegsfortbildungen üblich, wird zur Meisterprüfung nur zugelassen, wer bereits einschlägige Erfahrung im jeweiligen Metier, also „berufliche Handlungsfähigkeit“ nachweisen kann. Am leichtesten fällt das jenen jungen Leuten, die Mediengestalter/innen Bild und Ton oder Film- und Videoeditor/innen gelernt und nach der Ausbildung mindestens ein Jahr Erfahrung im Beruf gesammelt haben.


Aber auch andere Wege sind möglich: Die Ausbildung in einem anderen gewerblich-technischen Beruf eröffnet nach zwei Jahren Praxis die Chance zur Aufstiegsfortbildung für die AV-Wirtschaft. Zugelassen wird auch, wer mindestens fünf Jahre im Arbeitsfeld Bild- und Tonproduktion Erfahrungen gesammelt hat. Und schließlich kann ein anderer Nachweis für die vorhandenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in der Medienproduktion erbracht werden.


Wer auf diesem Karrierepfad weitergehen und Meister/in des Fachs werden will, muss tief in das Betriebs- und Projektmanagement der Sparte eintauchen. So gehört die Personalführung zwar zu den selbstverständlichen Pflichten auf allen mittleren Leitungspositionen. Doch auf Meister/innen in der Medienproduktion Bild und Ton kommen dabei ganz spezielle Anforderungen zu: Sie müssen beispielsweise die Arbeit von festen und freien Mitarbeiter/innen koordinieren sowie interdisziplinäre Teams für zeitlich befristete Produktionseinsätze zusammenhalten.


Aus dem projektbezogenen Einsatz von Fremdpersonal und Fremdfirmen erwachsen ganz eigene organisatorische Aufgaben, eng verknüpft mit speziellen rechtlichen Rahmenbedingungen. Dazu kommen Anforderungen, die von der Produktionsform abhängen: Wird eine Studioaufnahme oder eine Livesendung gemacht? Sind Präsentationen, Sportveranstaltungen, Konzerte oder Festivals in Bild und Ton festzuhalten? Wurde ein fiktionales Stück in Auftrag gegeben oder soll ein Multimediaprodukt entstehen?


Meister/innen für Bild und Ton müssen alle berufsgenossenschaftlichen Vorschriften beherrschen, auf die sonst eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik achtet. Und sie benötigen fundiertes Wissen über Urheber-, Verwertungs- und Persönlichkeitsrechte.


Diese Beispiele zeigen, warum für Mediengestalter/innen Bild und Ton sowie für Film- und Videoeditor/innen dieser eigene Aufstiegsweg geschaffen wurde. Bisher konnten sie sich zwar zu Medienfachwirt/innen fortbilden – doch dieses Profil stellte sich als zu unspezifisch für die besonderen Anforderungen des eigenen Metiers heraus.


In der Prüfung müssen nun angehende Meister/innen Medienproduktion Bild und Ton beweisen, dass sie zu Führung und Organisation des Betriebsmanagements in der Lage sind. Dies geschieht, indem sie eine schriftliche Situationsaufgabe bearbeiten – also etwa eine Marktanalyse betreiben - und indem sie in einem Rollenspiel Führungskompetenz zeigen.


Der zweite Komplex der Prüfung umfasst Projektvorbereitung, -realisation und -abschluss. Dazu muss eine schriftliche Situationsaufgabe bearbeitet und danach in einem Fachgespräch fundiert werden. Im übrigen müssen alle Prüflinge gesondert ihre berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikationen nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) unter Beweis stellen, vor allem – aber nicht nur – als Gewähr dafür, dass sie die Grundvoraussetzungen beherrschen, um selbst Berufseinsteiger/innen für die Bild- und Ton-Welt auszubilden.

IV. Nutzen für Weiterbildungswillige und Unternehmen

Ob angestellt oder selbstständig: Neue Aufgaben kompetent meistern


Viele junge Leute haben in den vergangenen Jahren die Berufe Mediengestalter/in Bild und Ton oder auch Film- und Video-Editor/in gelernt. Im Schnitt schließen pro Jahr insgesamt etwa 700 Absolvent/innen ihre Ausbildung in einem der beiden Berufe ab. Als Faustregel unter Berufsbildungsfachleuten gilt, dass etwa zehn Prozent der Ausgelernten früher oder später den Weg einer Aufstiegsfortbildung wählen.


Mediengestalter/innen Bild und Ton arbeiten oft gleich nach der Ausbildung als Selbstständige weiter und sammeln so erste Berufserfahrung. Wenn sie im nächsten Schritt die Meister-Fortbildung machen, verschaffen sie sich Vorteile in zweierlei Hinsicht: Wer nicht nur fachlich gut ist, sondern auch etwas von Betriebs- und Projektmanagement versteht, kann das eigene Kleinstunternehmen besser führen. Und: Solo-Selbstständige mit dem Meistertitel – und entsprechenden Kompetenzen – heben sich am Markt von anderen ab, setzen sich leichter durch. Reizvoll ist für fähige AV-Fachleute ohne Hochschulreife aber auch die Aussicht, mit dem Meistertitel die Studienberechtigung zu erwerben.


Gedacht ist die Aufstiegsfortbildung vor allem auch für fachlich Versierte, die mittlere Führungsaufgaben im Unternehmen übernehmen sollen. Da hilft es, sich vorab das Know-how im Umgang mit Personal, Zeitplänen und Zahlen anzueignen. Und viele Quereinsteiger/innen in der AV-Branche, die seit Jahren gut in ihrem Metier sind, aber keine formale Qualifikation nachweisen können, haben dann mit dem Meister endlich auch einmal einen anerkannten Abschluss in der Tasche.


Es gibt eine Reihe von erfolgreichen AV-Dienstleistern, deren Gründer ins Pensionsalter kommen und kompetente Nachfolger suchen. Wer würde sich besser eignen, als erfahrene und anerkannte Beschäftigte aus dem eigenen Betrieb, die sich mit Hilfe der Meisterfortbildung das Rüstzeug holen, um in die Fußstapfen des Chefs zu treten?


Auch für Menschen mit Studium kann die Aufstiegsqualifizierung ein Karriereschritt sein: In privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ergeben sich beispielsweise neue Aufgaben in der Produktionsleitung, die bisher technischen Profis mit einem betriebswirtschaftlichen Abschluss übertragen wurden. Die praxisnahe Auseinandersetzung mit Projektorganisation, Workflow und Personalführung im Meisterkurs kann hier das bisher fehlende Bindeglied sein und die notwendige Befähigung für die Position komplettieren.


Interessant für Weiterbildungswillige und ihre Vorgesetzten im AV-Betrieb ist, dass mit dem Meisterbrief auch die Ausbildungseignung erworben wird. Das hilft, die Qualifizierung von Azubis zu professionalisieren und erleichtert es, allgemein verbindliche Standards in einer Branche zu setzen, in der die duale Berufsausbildung noch keine zwanzig Jahre Tradition hat.

V. Aufwand, Kosten und Lernwege

Zeit und Geld investieren


Der Fernsehproduzent kommt ins Pensionsalter. Er will seinen mittelständischen Betrieb einem gewieften Nachfolger überlassen. Die neue Meisterausbildung kommt da gerade recht – und der Chef ist bereit, alle entstehenden Kosten zu übernehmen und den Junior fürs Lernen voll von der Arbeit freizustellen.


Ein mögliches – aber ein sehr ungewöhnliches Szenario. Sehr viel häufiger ist es, dass die Aufstiegswilligen ihr eigenes Geld und ihre (Frei)zeit für die Fortbildung investieren müssen. Es gibt darüber hinaus viele Unternehmen, die bereit sind, die Belastungen von Kurs und Prüfung mit den Meister/innen in spe teilen. Denkbar sind Zuschüsse, Teilfreistellungen, Sonderurlaub usw. Bei den großen Fernseh- und Filmanstalten lohnt es sich auszuloten, ob in Dienst- oder Betriebsvereinbarungen passende Fördermöglichkeiten geregelt sind. In einigen Bundesländern kann Bildungsurlaub in Anspruch genommen werden, etwa für die Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung.


Außerdem gibt es das „Meister-BAföG“, das Stipendium nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG). Es wurde 1996 eingeführt und in den Folgejahren erweitert und ergänzt. Meister-BAföG kann beantragen, wer sich auf die Meister-, Techniker- oder Betriebswirte-Prüfung vorbereitet. Es kommt nicht nur Festangestellten zugute, sondern gerade auch festen Freien, auf Produktionsbasis Beschäftigten, Selbstständigen und Kleinstunternehmern. Gefördert werden Voll- und Teilzeitmaßnahmen. Es gibt Zuschüsse und zinsbegünstigte Darlehen sowie besondere Konditionen, um Familien und Alleinerziehende zu entlasten.


Aufstiegswillige können ihre Kosten für Schulung und Erstellung des Prüfungsstücks verringern sowie einen Beitrag zum Lebensunterhalt beantragen. Meister-Bafög wird nicht einfach so gewährt: Die Vorbereitungskurse und ihre Veranstalter müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Alles weitere unter: www.meister-bafoeg.info.

Die Broschüre Meisterhafte Bilder und Töne des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) könne Sie hier bestellen:


Publikationsversand der Bundesregierung

Postfach 48 10 09

18132 Rostock

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